KostProbe zu: Aida
Merken
 

KostProbe zu: Aida

Was hat ein Opernhaus 1871 in Kairo zu suchen? Mit seiner gen Westen ausgerichteten Fassade, gebaut auf der Nord-Süd-Achse, der Trennlinie zwischen der alten islamischen Stadt und dem neuen Kairo nach europäischem Vorbild, ist es Symbol für das kulturelle und ökonomische Streben des Westens nach Vorherrschaft in Afrika und die Orientierung der dortigen Oberschicht an der europäischen Hegemonie. Am Heiligen Abend 1871 wird hier Verdis wohl berühmteste und erfolgreichste Oper *Aida* uraufgeführt. Wenige Jahre später beginnt ein wahrer Wettlauf der europäischen Mächte um die Aufteilung Afrikas – das Zeitalter des Imperialismus teilt den Kontinent am Reißbrett neu auf. Erst kam die Oper, dann folgten die Kanonenboote.


Verdi gibt in der Dreiecksgeschichte der in Ägypten versklavten Äthiopierin Aida, des ägyptischen Feldherrn Radamès und der Königstochter Amneris eine dramatische Vorahnung dieser Auseinandersetzungen, indem er sie durch den Kampf zweier Kulturen rahmt. Die ferne Hochkultur Ägypten mit ihren Pyramiden, Elefanten und Pharaonen im Kampf gegen die vermeintlich wilden äthiopischen Aufständischen bietet eine Folie für viel nähere und zeitgenössischere Konflikte. So ist das brachiale Kriegsgeschrei der Ägypter (»guerra, guerra«) ein Widerhall des zunehmenden Militarismus und Nationalismus in Europa – in einem Brief an seinen Librettisten Ghislanzoni entgegnet Verdi auf die Frage wie der ägyptische Pharao zu sprechen habe, vielsagend, er solle sich die Telegramme des preußischen Kaisers Wilhelm I. genau anschauen.


In diesem kriegerisch aufgepeitschten gesellschaftlichen Klima ist das Glück der Liebe für die aus entgegengesetzten Welten kommenden Hauptfiguren Aida und Radamès nicht zu haben. Ihnen bleibt nur das Begräbnis bei lebendigem Leib, der Tod. Aber was für die Menschen tödlich und für die Welt schlecht ist, ist für die Dramaturgie der Oper bekanntlich sehr gut. Verdi setzt mit einer unsterblichen Musik dem unauflösbaren Konflikt das Versprechen der utopischen Liebe und Erlösung in einer anderen, besseren Welt entgegen – auf dass sie (nicht) Realität werde…

Adresse:
Universitätsring 24, 06108 Halle
Nächster Termin:
11.01.2018, 18.00 Uhr
 
Halle Stadtmarketing

Tourist-Information im Marktschlösschen

Marktplatz 13
06108 Halle (Saale)

Tel.: 0345 1229984

UNTERKÜNFTE SUCHEN

Urlaubsziel: Halle (Saale) und Umland
Anreise am:
Abreise am:
Erw.:
Kinder:
Suchen
 
 
 
Wussten Sie, dass ... Halle mit Hans-Dietrich Genscher Weltgeschichte schrieb?
 
 
© 2017 Stadtmarketing Halle (Saale) GmbH