Wege zur Burg der Moderne
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Wege zur Burg der Moderne

Vom 12. November 2017 bis zum 28. Januar 2018 präsentiert das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) einen Teil seiner Sammlung unter einer neuen Perspektive. 1905: Die Reinhold-Steckner-Stiftung wirft ein Licht auf einen wesentlichen Abschnitt in der Entwicklung des Museums, die der einstige Direktor Max Sauerlandt zu Recht als „den zweiten Gründungstag des Museums“ bezeichnete.


Die Reinhold-Steckner-Stiftung von 1905 stellt eine der wirksamsten Einzelstiftungen für das 1885 gegründete Museum dar. Die großzügige Stiftung des halleschen Bankhauses Steckner in Höhe von 100.000 Mark (heute in etwa 600.000 Euro) eröffnete die Möglichkeit, insbesondere die Gemäldesammlung erstmals gezielt zu erweitern.


Die Hälfte des gestifteten Geldes war dazu bestimmt, die Ruine der Moritzburg für das Museum auszubauen. Diese Mittel ermöglichten gemeinsam mit einem gleich dotierten Vermächtnis von Gustav Wilhelm Schreiber die Errichtung des Wehrganges zwischen Torturm und Talamt. Mit der anderen Hälfte wurden zwischen 1905 und 1911 19 Gemälde und 3 Plastiken erworben. Unter Direktor Paul Reiling (1856–1922) waren dies zunächst Werke, die dem Symbolismus und Jugendstil zuzurechnen sind, so etwa Ludwig von Hofmanns Badende Mädchen oder Max Klingers Nemi. Schließlich bewies der 1908 nach Halle (Saale) berufene Kunsthistoriker Max Sauerlandt (1880–1934) Geschick und Instinkt, indem er mithilfe der Stiftungsgelder konsequent Werke der zeitgenössischen Moderne erwarb, vor allem Gemälde von Vertretern der Berliner Secession.


Das Projekt Stifter & Schenker


Stifter und Schenker waren und sind für das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) seit seiner Gründung im Jahre 1885 von großer Bedeutung. Rund 900 Einzelpersonen und Institutionen übergaben dem Museum in den vergangenen mehr als 130 Jahren künstlerische Objekte. Nicht zu vergessen sind jene Stifter, die durch Geldmittel den Ankauf von Sammlungsstücken oder die Bewältigung baulicher Aufgaben ermöglichten.


Seit 2011 gingen die Freunde und Förderer des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) e. V. in dem von ihnen initiierten Forschungsprojekt Stifter & Schenker des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale) gemeinsam mit dem Museum diesem bisher wenig erschlossenen Teil der Museumsgeschichte nach. Es galt zunächst, die Stiftungen und Schenkungen in einer Datenbank zu erfassen und deren Akteure namhaft zu machen. Die aktuelle Ausstellung eröffnet eine mehrteilige Folge von Präsentationen, die unter dem Titel Wege zur Burg der Moderne die wichtigsten Schenkungen und ihre Stifter vorstellen werden. Ermöglicht wurde und wird diese immense Aufgabe ganz wesentlich durch eine Stifterin, Dr. Hanna Leistner, die seit vielen Jahren die Arbeit des Fördervereins und damit des Museums maßgeblich finanziell unterstützt.


Der Stifter Reinhold Steckner


Das Bankhaus Steckner war ein sehr erfolgreiches Finanzunternehmen in Halle (Saale). Sein Gründer, Reinhold Steckner (1824–1894), hatte es ab 1855 aufgebaut. In Zeiten der Industrialisierung und Großstadtwerdung avancierte das Bankhaus zur Hausbank der Braunkohleindustrie und des Eisenbahnbaus. Steckner nahm jedoch auch die durch die gesellschaftlichen Veränderungen aufkommenden sozialen Nöte und Spannungen in der Stadt wahr und gründete anlässlich des 25. Firmenjubiläums 1880 eine Stiftung, aus der Bedürftige Zuwendungen erhielten.


Reinhold Steckners Söhne Emil, Rudolf und Carl führten das Bankhaus gemeinsam weiter und setzten auch das von ihm initiierte bürgerschaftliche Engagement fort. Anlässlich des 50. Firmenjubiläums 1905 errichteten sie in Erinnerung an ihren Vater die mit 100.000 Mark ausgestattete Reinhold-Steckner-Stiftung für das Städtische Museum für Kunst und Kunstgewerbe.


Der Erste Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise brachten das Unternehmen jedoch in Bedrängnis. 1930 wurde es von der Dresdner Bank übernommen. Das gründerzeitliche Bankgebäude am Marktplatz 19 und der Villenbau mit seiner pittoresken Fassade am Neuwerk 7 zeugen noch heute vom einstigen Wirken und der hochrangigen gesellschaftlichen Stellung der Familie Steckner.

Adresse:
Friedemann-Bach-Platz 5, 06108 Halle
Nächster Termin:
25.11.2017, 10.00 Uhr
 
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