Macht der Emotionen / The Might of Emotions

Macht der Emotionen / The Might of Emotions

Das ehemalige Wohnhaus des Aufklärungsphilosophen Christian Wolff erlebt eine wunderbare Verwandlung. Die hallesche Malerin Iris Bodenburg zeigt ihre erste museale Einzelausstellung in Deutschland, präsentiert in den Räumen der Dauerausstellung „Geselligkeit und die Freyheit zu philosophieren“. Ihre erotisch-sinnlichen Werke geben den Räumen der Ausstellung eine ganz neue Aura und sie gehen auf eine ganz eigene Weise eine Verbindung mit den Gegenständen ein, die für das gesellige Leben, die Freundschaft, die Empfindsamkeit und die Salonkultur sowie die Liebe zur Weisheit im 18. Jahrhundert in Halle stehen.


Porträtierte Männer und Frauen des 18. Jahrhunderts ausstaffiert mit ihren Perücken Spitzenhemden Gehröcken und Seidenkleidern schauen auf bemiederte Frauen, denen ihr offenes Haar über die Schultern fällt. Diese schweben frei, von der Decke hängend, gemalt auf seidigem Papier im ehemaligen Vorlesungssaal Christian Wolffs. Zart und geheimnisvoll, mit einer enormen Präsenz, scheinen sie einer anderen Welt zu entspringen.


In einem dunkel mystisch anmutenden Ausstellungsraum, gewidmet den Freimaurerlogen gehen Ritualgegenstände wie die dreiarmigen Logenleuchter und ein menschlicher Schädel eine Verbindung mit Bodenburgs Version der Toteninsel und der im Bach treibenden Ophelia ein.


Schon im 18. Jahrhundert waren die halleschen Studenten nicht nur in ihre Bücher vertieft. Neben Trinkgelagen, die oftmals mit Trinkspielen verbunden waren, suchten sie nicht nur bei einer winterlichen Schlittenfahrt oder beim Maskenball den Kontakt zur holden Weiblichkeit. Von diesen Begegnungen zeugen frivole Bilder in Studentenstammbüchern, die nun ergänzt werden durch erotische Malereien von Iris Bodenburg.


Die in der Ausstellung zu lesenden Texte der Malerin fügen sich gut ein und korrespondieren mit Auszügen aus Briefen, Poesie- und Freundschaftsalben aus dem 18. Jahrhundert. Ihre Malereien verbinden sich mit Landschaftsdarstellungen, deren Sujets die Vergänglichkeit unseres Seins, antike Mythologien und christliche Motive sind.


Der Fächer gehörte als Accessoire zur Ausstattung einer jeden Frau. Aus Seide bestehend, bemalt mit einer galanten Verabredungsszene, diente er auch der nonverbalen Konversation zwischen einem Mann und einer Frau, deren Gesicht er geheimnisvoll verbergen konnte. Ein Chemisenkleid aus Seide und Klöppelspitze wird nun umrahmt von zwei Malereien, deren Farbigkeit und Zartheit in Harmonie mit diesem steht.


Iris Bodenburg setzt mit großem Feingefühl neue Akzente in der Ausstellung, lässt sich ein auf die Atmosphäre des Ortes und spielt mit den Objekten aus dem Kontext der Aufklärung.


In einem eigenen Ausstellungsraum zeigt Bodenburg federleichte, ebenfalls frei im Raum schwebende, farbige Aquarelle, die um die Themenkomplexe Leidenschaft, Harmonie der Schöpfung und mythische Traumwelten kreisen.


Die Verwendung des seltenen und sonst nicht als Malgrund verwendeten Himalaya-Papiers unterstreicht die Einzigartigkeit der Bilder Bodenburgs. Die grobe Faserstruktur des Materials, welches aus der giftigen Seidelbastpflanze im Himalayagebirge handgeschöpft wird, nimmt nicht nur Einfluss auf die Malweise. Das Papier ist nahezu unendlich lang haltbar und kommt traditionell für heilige Schriften zum Einsatz.

 

Adresse:
Große Märkerstraße 10, 06108 Halle
Nächster Termin:
12.04.2022, 10.00 Uhr
 
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