Messa da Requiem
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Messa da Requiem

Glaubt man Zeitgenossen, so ist weder Rigoletto noch La Traviata oder Aida, sondern das Requiem die „größte Oper“ (G. B. Shaw) von Giuseppe Verdi. Und tatsächlich kommt die beeindruckende Vertonung der Totenmesse aus dem Jahr 1874 zum ersten Todestag des Dichters Alessandro Manzoni in ihrer schieren Ausdruckskraft durchaus einer musikdramatischen Großerzählung gleich – selbst wenn der Vergleich zur Oper nicht jeden Aspekt des Requiems präzise beschreiben kann. Doch in überbordender Konkretheit gestaltet Verdi die allzu menschlichen Schrecken des Todes: der jüngste Tag im „Dies irae“, die Toten und ihr ewiges Gericht, Abgrund, Suche nach Vergebung, Hoffnung und Flehen im „Libera me“. In der Drastik der musikdramatischen Mittel geht Verdi dabei genauso weit über die christlichen Vorstellungen von Tod und Auferstehung hinaus, wie über die Konventionen geistlicher Musik des 19. Jahrhunderts. Das Requiem endet mit einem agnostischen Abgesang auf vermeintliche Gewissheiten des Glaubens. Deshalb steht am Ende der Messa da Requiem auch nicht das himmlische Heilsversprechen, sondern bloße Verzweiflung. Wenn Gott keine Erlösung spendet, ist der Mensch auf sich selbst zurückgeworfen am Scheitelpunkt seiner Existenz. Verdi selbst ist jedoch nicht fatalistisch. Das Requiem als Plädoyer für eine bessere, menschlichere Welt? „Die Wirklichkeit zu kopieren ist eine gute Sache, aber die Wirklichkeit zu erfinden ist besser“, schreibt Verdi 1876.


Das Requiem beginnt mit einer Welterschaffung aus der Stille. Gedämpfte Streicher, Chor, Raumklang. Dann der Tod – von Anfang an ein Mysterium. In der szenischen Umsetzung von Verdis Monumentalwerk an der Oper Halle geschieht all das nach einer Katastrophe. Der „Tag des Zorns“ – hier ist er bereits geschehen und archaische Kreaturen bevölkern die zerstörten Straßenschluchten. Florian Lutz macht sich in seiner Inszenierung auf die Suche nach dem Humanen, trotz des offenkundigen Endes von Zivilisation und Glaube. Diese Produktion eröffnet die Spielzeit 2018/19 in der neuen Raumbühne Babylon von Sebastian Hannak.

Adresse:
Universitätsring 24, 06108 Halle
Nächster Termin:
12.01.2019, 19.30 Uhr
 
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